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Geschichtliche Entwicklung von Blossenau

Kirche in Blossenau

Blossenau – eine Rodungssiedlung „Ploss en awe“ nannten die Tagmersheimer Siedler einst jene Waldlichtung, wo heute Blossenau liegt. Mehr als 800 Jahre ist das her. Auf den Höhen der Monheimer Alb wuchsen ausgedehnte Wälder. In den wasserreichen Tälern bestanden bereits kleinere Ort wie Daiting oder Tagmersheim.

 

Wie ist aber aus „Ploss en awe“ was soviel wie bedeutet wie „baumlose Aue“ das heutige Blossenau entstanden?

 

Damals waren die Grafen von Graisbach die Herren über Land und Wald unserer Gegend. Sie ließen in ihren Wäldern mehrere Siedlungen errichten wie Natterholz, Reichertswies, Kölburg, Liederberg oder Rothenberg.

 

Die Anlage von Blossenau erfolgte um das Jahr 1185. Damals schickte Graf Diepold eine Gruppe tüchtiger Männer unter Leitung eines erfahrenen Meisters. Die „baulose aue“ war ein passender Platz für den neuen Ort . Viel Schweiß und Mühe hat es gekostet, den Wald ringsherum zu roden. Der Meister ließ die Siedlung nach folgendem Plan errichten:

 

  1. Er bestimmte zuerst, wo der Anger liegen sollte, der Platz in der Dorfmitte
  2. Auf jeder Seite des Angers wurden nun die Hofgrundstücke mit dem Garten angelegt. In Blossenau waren es auf der Westseite 5 und im Osten des Angers 4 Hofgrundstücke, also Platz für insgesamt 9 Siedler. Heute nennen wir eine solche Plansiedlung ein Straßendorf.
  3. Jetzt beauftragte der Meister seine Helfer, auf dem Anger den Dorfbrunnen zu graben.
  4. An jedes Hofgrundstück schloss sich ein möglichst langer Acker an. Ein Zweiter Acker auf der gegenüberliegenden Dorfseite gehörte dazu.
  5. Endlich konnte man die Grundstücke an die 8 Siedler und ihren Meister verlosen. Er war von jetzt an der Vermittler zwischen Dorfgemeinschaft und dem Grundherrn, dem Grafen von Graisbach.

 

Die einzelnen Bauern waren aber nicht Eigentümer ihrer Höhe, sondern besaßen sie nur „zu Lehen“ , d.h. der Graf hatte den Grund und Boden nur hergeliehen. Viele Dienste und Abgaben mussten sie an den Grundherrn leisten:

  • Am St. Michaelstag (29.Sept) zahlten sie jedes Jahr einen Gulden und am Martinstag (11.Nov) mussten sie einen Scheffel Hafer abliefern.
  • Unsere Siedler waren verpflichtet, auf den Feldern und Gütern des Grafen mitzuarbeiten oder Scharwerksgeld zu zahlen.
  • Eine besondere Belastung war der Zehent: jede 10. Garbe von Weizen, Korn, Gerste und Hafer der Großzehnt genannt; der 10.Teil von Kartoffeln, Kraut, Flachs, Hanf, Wicken, Hülsenfrüchten und Rüben; jedes 10.Stück von jungen Schweinen, Gänsen, Enten, Hühnern und Lämmern.

 

Solche Abgaben entrichteten nicht nur die ursprünglichen Siedler, sondern Jahrhunderte hindurch auch die Hoferben und Nachfolger.

 

Erst vor etwa 120 Jahren konnten die Bauern auf ihren Höfen freie Eigentümer werden und brauchten keine Abgaben mehr zu leisten. Einige Jahre nach der Gründung ihrer neuen Siedlung, ungefähr um das Jahr 1190, konnten die ersten Bewohner von Blossenau ein bedeutsames Fest feiern: die Errichtung ihres Kirchleins auf dem Anger des Dorfes. Ein hoher Gast kam zu Besuch, Bischof Otto aus Eichstätt. Er hat dieses Gotteshaus geweiht. 

 

Zeiten der Not, aber auch Jahre des Wohlstandes haben die Blossenauer in den folgenden Jahrhunderten erlebt.

 

Als die Einwohnerzahl im Ort abnahm, weil viele durch Seuchen und Kriege ihr Leben verloren hatten, besaß mancher verbliebener Bauer 1 ½ oder 2 Hofgrundstücke. Zu anderen Zeiten nahm die Bevölkerung zu. Da kam es vor, dass Hofbesitzer ihre Grundstücke teilten, um für zwei Kinder eine Lebensgrundlage zu schaffen. Lange Zeit wohnten nur Bauern in Blossenau, später auch Gastwirte, die auch Bauern waren und Hirten.

 

Vom 15. Jahrhundert an ließen sich neue Siedler im Ort nieder: Weber, Schneider, Schuster, Maurer, Zimmerleute, Wagner, Schmiede, Taglöhner und auch einige Nadler. Was diese Menschen durch ihre Hände Arbeit verdienen konnten, reichte oft nur recht und schlecht für den täglichen Lebensunterhalt. Die Niederlassungen dieser neuen Siedler wurde im Laufe der Zeit so viel, dass die Länge der Ortschaft bis heute um mehr als das Vierfache anwuchs, wenn wir sie mit der ursprünglichen Rodungssiedlung vergleichen. Man errichtete die Anwesen entlang der Straße, die sich vom Dorfanger nach Norden und Süden erstreckt.

 

Im Jahre 1972 ließ sich die ehemalige selbstständige Gemeinde Blossenau freiwillig nach Tagmersheim eingemeinden.

 

Über den näheren Heimatraum hinaus wurde Blossenau durch den Bau der Mehrzweckhalle bekannt. In unzähligen Arbeitsstunden (35.000 Stunden) schufen die Blossenauer in 4 Jahren vorbildliche Räumlichkeiten für Sport und Kultur. Seitdem wird den Bewohnern eine breite Palette für ihre Freizeitgestaltung geboten. Zur Auswahl stehen verschieden sportliche Übungsabende, Vorträge, Seminare und vieles mehr. Der lang ersehnte Schulsport der Grundschule Tagmersheim wird seit dem Schuljahr 2002/03 ebenfalls in dieser Halle durchgeführt.

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